Her­aus­nah­me Leis­tungs­trä­ger aus Sozi­al­aus­wahl – Bun­des­ar­beits­ge­richt, 2 AZR 706/00

Her­aus­nah­me Leis­tungs­trä­ger aus Sozi­al­aus­wahl – Anfor­de­run­gen an die Bgrün­dung durch den Arbeit­ge­ber.

BAG Urteil vom 12.4.2002, 2 AZR 706/00

Leit­sät­ze (von Rechts­an­walt Busch­mann)

  1. Bei der Her­aus­nah­me von “Leis­tungs­trä­gern” aus der Sozi­al­aus­wahl nach § 1 Abs 3 S 2 KSchG in der vom 1. Okto­ber 1996 bis zum 31. Dezem­ber 1998 gel­ten­den Fas­sung muß der Arbeit­ge­ber das Inter­es­se des sozi­al schwä­che­ren Arbeit­neh­mers gegen das betrieb­li­che Inter­es­se an der Her­aus­nah­me des Leis­tungs­trä­gers abwä­gen. Je schwe­rer dabei das sozia­le Inter­es­se wiegt, umso gewich­ti­ger müs­sen die Grün­de für die Aus­klam­me­rung des Leis­tungs­trä­gers sein.
  2. Die Ver­pflich­tung des Arbeit­ge­bers, dem Arbeit­neh­mer auf Ver­lan­gen die Grün­de für die getrof­fe­ne Aus­wahl mit­zu­tei­len, bezieht sich Arbeit­ge­bers bezieht sich auch auf die Grün­de für die Aus­klam­me­rung ein­zel­ner Arbeit­neh­mer aus der Sozi­al­aus­wahl gemäß § 1 Abs. 3 Satz 2 KSchG a.F. (BAG vom 10. 2. 1999 – 2 AZR 716/98 – AP Nr. 40 zu § 1 KSchG1969 Sozia­le Aus­wahl = EzA KSchG § 1 Sozia­le Aus­wahl Nr. 38).
  3. Kommt der Arbeit­ge­ber dem Aus­kunfts­ver­lan­gen des Arbeit­neh­mers nicht nach, ist die strei­ti­ge Kün­di­gung ohne wei­te­res als sozi­al­wid­rig anzu­se­hen; auf den Prü­fungs­maß­stab der gro­ben Feh­ler­haf­tig­keit der sozia­len Aus­wahl kommt es dann nicht an.

Anmer­kung von Rechts­an­walt Busch­mann

Die hier ange­ge­be­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts betrifft zwar eine Geset­zes­la­ge die von 01.10. 1996 bis 31.12.1998 galt. Die­se Geset­zes­la­ge ist aber auf die Neu­re­ge­lun­gen ab dem 01.01.2004 über­trag­bar. Der Bun­des­tag hat zwar am 26. 9. 2003 in Art. 1 des Geset­zes zu Refor­men am Arbeits­markt beschlos­sen, § 1 Abs. 3 KSchG zu ändern und eine “neue” Leis­tungs­trä­ger­re­ge­lung ab dem 1. 1. 2004 (Art. 5 des Geset­zes zu Refor­men am Arbeits­markt) ein­zu­füh­ren. Die­se “Neu­re­ge­lung” ent­spricht aber inhalt­lich der von 01.10. 1996 bis 31.12.1998 gel­ten­den Rechts­la­ge.

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