Scha­dens­er­satz, Schmer­zens­geld, Mob­bing – ArbG Eisen­ach, 3 Ca 1226/03

Gesamt­schuld­ne­ri­sche Haf­tung des Arbeit­ge­bers und des Mob­bers auf Ersatz mate­ri­el­ler und imma­te­ri­el­ler Mob­bing­schä­den Mob­bing Scha­den­er­satz

Arbeits­ge­richt Eisen­ach, Urteil vom 30.08.2005 – 3 Ca 1226/03

Leit­sät­ze (von Rechts­an­walt Busch­mann):

  1. Zu den Vor­aus­set­zun­gen der Fest­stel­lung einer mob­bing­be­ding­ten Ver­let­zung des All­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts.
  2. Sind in einem zeit­li­chen Zusam­men­hang mit gericht­lich fest­ge­stell­ten Mob­bing­hand­lun­gen Erkran­kun­gen auf­ge­tre­ten, die nach ärzt­li­cher Fest­stel­lung auf psy­chi­schen Druck zurück­zu­füh­ren sind, dann ist die Ursäch­lich­keit die­ser Mob­bing­hand­lun­gen für die­se Erkran­kun­gen indi­ziert.
  3. Wegen Ver­let­zung des All­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts kann von einem Mob­ber nach § 823 BGB in Ver­bin­dung mit Art. 1 und 2 GG imma­te­ri­el­ler Scha­den­er­satz in Form einer Geld­ent­schä­di­gung bean­sprucht wer­den.
  4. Bei Ver­let­zung der Gesund­heit sei­nes Opfers ist der Mob­ber neben sei­ner Ver­pflich­tung, dem Mob­bing­op­fer mate­ri­el­le Gesund­heits­schä­den, wie etwa Erwerbs­ein­bu­ßen zu erset­zen, nach § 823 BGB i.V.m. § 253 Abs. 2 BGB dar­über hin­aus zur Zah­lung eines Schmer­zens­gelds ver­pflich­tet.
  5. Arbeit­neh­mer, die Mit­ar­bei­ter mob­ben, han­deln im Hin­blick auf eine mög­li­che Gesund­heits­ver­let­zung ihrer Opfer zumin­dest fahr­läs­sig, denn sie müs­sen wegen der Eig­nung von Mob­bing­an­grif­fen zur psy­chi­schen Desta­bi­li­sie­rung einer Per­sön­lich­keit zwangs­läu­fig damit rech­nen, dass die­se frü­her oder spä­ter gesund­heit­li­che Schä­di­gun­gen her­vor­ru­fen.
  6. Hat der Arbeit­ge­ber dem Mob­bing­ge­sche­hen kei­nen Ein­halt gebo­ten, haf­tet auch er jeden­falls unter dem Gesichts­punkt des Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­dens (Ver­let­zung der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht) auf der Grund­la­ge des § 823 BGB auf Ersatz der von einem Mob­ber ver­ur­sach­ten Schä­den.
  7. Es besteht eine recht­li­ches Inter­es­se des Mob­bing­op­fers dar­an, die Ersatz­pflicht für künf­tig auf­grund sei­ner Ver­let­zung des All­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts und sei­ner Gesund­heit ein­tre­ten­de und im Zeit­punkt der Ent­schei­dung noch nicht bestimm­ba­re Schä­den gericht­lich fest­stel­len zu las­sen.
  8. Eine Kün­di­gung wegen krank­heits­be­ding­ter Fehl­zei­ten, die durch vom Arbeit­ge­ber nicht unter­bun­de­nes Mob­bing ent­stan­den sind, ist mit dem Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) nicht ver­ein­bar.

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