Stel­len­pool bei betriebs­be­ding­ter Kün­di­gung – Bun­des­ar­beits­ge­richt, 2 AZR 485/02

Stel­len­pool bei betriebs­be­ding­ter Kün­di­gung, Wie­der­ho­lungs­kün­di­gung

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 22.05.2003 – 2 AZR 485/02

Leit­sät­ze (von Rechts­an­walt Busch­mann):

  1. Ist in einem Kün­di­gungs­rechts­streit ent­schie­den, dass das Arbeits­ver­hält­nis durch eine bestimm­te Kün­di­gung nicht auf­ge­löst wor­den ist, so kann der Arbeit­ge­ber eine erneu­te Kün­di­gung nicht auf Kün­di­gungs­grün­de stüt­zen, die er schon zur Begrün­dung der ers­ten Kün­di­gung vor­ge­bracht hat und die in dem ers­ten Kün­di­gungs­schutz­pro­zess mate­ri­ell geprüft wor­den sind mit dem Ergeb­nis, dass sie die Kün­di­gung nicht recht­fer­ti­gen kön­nen.
  2. Der Arbeit­ge­ber kann allen­falls noch­mals kün­di­gen, wenn er ande­re Kün­di­gungs­grün­de gel­tend macht. Hier­bei kann er den ver­brauch­ten Kün­di­gungs­grund unter­stüt­zend her­an­zie­hen. Er kann auch noch­mals kün­di­gen, wenn sich der Sach­ver­halt wesent­lich geän­dert hat und damit ein neu­er Kün­di­gungs­tat­be­stand vor­liegt, wenn er nun­mehr nicht frist­los, son­dern frist­ge­recht kün­di­gen will oder wenn die Kün­di­gungs­er­klä­rung aus nicht mate­ri­ell-recht­li­chen Grün­den (Form­man­gel, feh­ler­haf­te Betriebs­rats­an­hö­rung etc.) unwirk­sam war. Mit der blo­ßen Wie­der­ho­lung der Kün­di­gung auf Grund des­sel­ben Kün­di­gungs­sach­ver­halts ist er aus­ge­schlos­sen.
  3. Nach die­sen Grund­sät­zen ist es dem Arbeit­ge­ber ver­wehrt, sich in einem nach­fol­gen­den Rechts­streit zur Begrün­dung einer erneu­ten Kün­di­gung dar­auf zu beru­fen, dass bereits im Zeit­punkt des Zugangs der frü­he­ren Kün­di­gung, mit der der Arbeit­ge­ber rechts­kräf­tig unter­le­gen ist, kei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit für den Arbeit­neh­mer bestan­den habe. Er kann auch nicht mit sei­nem Vor­trag durch­drin­gen, es habe schon zum dama­li­gen Zeit­punkt kei­nen Stel­len­pool gege­ben, aus des­sen Stel­len der gekün­dig­te Arbeit­neh­mer Klä­ger hät­te wei­ter­be­schäf­tigt wer­den kön­nen, wenn das Gericht des Vor­pro­zes­ses die sei­ner­zei­ti­ge Kün­di­gung gera­de des­we­gen nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG als unwirk­sam ange­se­hen hat, weil der Arbeit­ge­ber nicht dar­ge­legt habe, dass für den Arbeit­neh­mer zum Zeit­punkt der Kün­di­gung kei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit bestan­den habe.
  4. Ist bei einem sol­chen Pro­zess­ver­lauf davon aus­zu­ge­hen, dass die Mög­lich­keit zur Beschäf­ti­gung des Klä­gers bestan­den hat, bedürf­te es zur Begrün­dung eines drin­gen­den betrieb­li­chen Erfor­der­nis­ses (§ 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG) für die erneu­te Kün­di­gung der Dar­le­gung des Arbeit­ge­bers, er nach Zugang der frü­he­ren Kün­di­gung und vor Aus­spruch der erneu­ten Kün­di­gung eine Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung getrof­fen hat, deren Umset­zung zum Weg­fall der Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keit geführt hat. Der Arbeit­ge­ber muss bei einem Stel­len­pool aus­füh­ren, dass der Arbeit­neh­mer ent­ge­gen der im vor­aus­ge­gan­ge­nen Rechts­streit fest­ge­stell­ten Mög­lich­keit nicht mehr auf einer Stel­le aus dem Stel­len­pool beschäf­tigt wer­den kann.
  5. Der Arbeit­ge­ber hat hier­zu eine orga­ni­sa­to­ri­sche Ent­schei­dung dar­zu­le­gen, die zu einem Weg­fall des Stel­len­pools ins­ge­samt oder der vom Arbeit­neh­mer ein­ge­nom­me­nen Pool­stel­le und damit zum Weg­fall einer Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keit für den Klä­ger führt. Als eine der­ar­ti­ge Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung kann aber nicht ein Vor­trag ange­se­hen wer­den, der ledig­lich an die vom Arbeit­ge­ber schon im Vor­pro­zess ver­tre­te­ne Auf­fas­sung ange­knüpft, es stün­den schon seit der Zeit vor der ers­ten Kün­di­gung kei­ne Haus­halts­mit­tel mehr zur Beschäf­ti­gung des Klä­gers zur Ver­fü­gung.

Zum Sach­ver­halt

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit einer betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung.

Der Klä­ger ist seit April 1978 an der Uni­ver­si­tät Leip­zig zu einem monat­li­chen Brut­to­ge­halt von zuletzt 7.433,32 DM tätig. Im Jah­re 1988 wur­de er zum Hoch­schul­do­zen­ten beru­fen. Mit Arbeits­ver­trag vom 28. Sep­tem­ber 1992 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en eine befris­te­te Beschäf­ti­gung auf der Stel­le eines Hoch­schul­leh­rers am Insti­tut für Poli­tik­wis­sen­schaft bis zum 30. Sep­tem­ber 1994. Der vom Klä­ger gegen die Wirk­sam­keit der Befris­tung ange­streng­ten Kla­ge gab das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt mit Urteil vom 12. Febru­ar 1996 (- 7 Sa 515/95 -) rechts­kräf­tig statt.

Der Beklag­te kün­dig­te das Arbeits­ver­hält­nis mit Schrei­ben vom 14. Febru­ar 1995 zum 31. März 1995. Die Kün­di­gung wur­de auf eine angeb­li­che Tätig­keit des Klä­gers für das Minis­te­ri­um für Staats­si­cher­heit (MfS) gestützt. Die hier­ge­gen gerich­te­te Kün­di­gungs­schutz­kla­ge war erfolg­reich (Urteil des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 4. Sep­tem­ber 1997 – 9 Sa 222/97 -).

Unter dem 12. August 1997 kün­dig­te der Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis ordent­lich betriebs­be­dingt zum 31. Dezem­ber 1997. Auch inso­weit gab das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt der vom Klä­ger erho­be­nen Kün­di­gungs­schutz­kla­ge rechts­kräf­tig statt (Urteil vom 27. Juli 1999 – 9 Sa 1005/98 -).

Aus­weis­lich des Tat­be­stan­des des lan­des­ar­beits­ge­richt­li­chen Urteils hat­te der Beklag­te vor­ge­tra­gen, eine Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit des Klä­gers am Insti­tut für Poli­tik­wis­sen­schaf­ten bestehe nicht mehr. Die vom Klä­ger als Qua­si­do­zent inne­ge­hab­te Stel­le sei durch Rek­to­rats­be­schluß vom 2. Sep­tem­ber 1994 dem Insti­tut für Sprach- und Über­set­zungs­wis­sen­schaf­ten zuge­wie­sen wor­den. Ab dem 1. Janu­ar 1995 habe daher für den Klä­ger kei­ne Haus­halts­stel­le mehr zur Ver­fü­gung gestan­den. Soweit der Klä­ger nach der gericht­li­chen Fest­stel­lung der Unwirk­sam­keit der Befris­tungs­ab­re­de aus dem Arbeits­ver­trag vom 28. Sep­tem­ber 1992 wei­ter­be­schäf­tigt wor­den sei, sei­en die Mit­tel hier­aus aus dem an der Uni­ver­si­tät Leip­zig bestehen­den Stel­len­pool ent­nom­men wor­den. Eine sozia­le Aus­wahl habe man­gels ver­gleich­ba­rer Arbeit­neh­mer nicht vor­ge­nom­men wer­den müs­sen.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt sah die Kün­di­gung nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG als unwirk­sam an, weil der Beklag­te nicht dar­ge­legt habe, dass für den Klä­ger zum Zeit­punkt der Kün­di­gung kei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit an der Uni­ver­si­tät Leip­zig bestan­den habe. Zwar sei der kon­kre­te Arbeits­platz des Klä­gers am Insti­tut für Poli­tik­wis­sen­schaf­ten auf Grund des Rek­to­rats­be­schlus­ses ent­fal­len. Der Beklag­te habe jedoch nicht dar­ge­tan, dass zum Zeit­punkt der Kün­di­gung nicht die Mög­lich­keit bestan­den habe, den Klä­ger aus dem Stel­len­pool der Uni­ver­si­tät Leip­zig wei­ter­zu­be­schäf­ti­gen. Dar­über hin­aus sei die Kün­di­gung nach § 1 Abs. 3 Satz 1 KSchG sozi­al unge­recht­fer­tigt, weil der Beklag­te kei­ne Sozi­al­aus­wahl vor­ge­nom­men habe. Der Klä­ger sei mit dem Mit­ar­bei­ter Dr. K ver­gleich­bar.

Mit Schrei­ben vom 16. Febru­ar 2001 kün­dig­te der Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis erneut aus betriebs­be­ding­ten Grün­den zum 30. Juni 2001.

Der Klä­ger hält auch die­se Kün­di­gung für unwirk­sam.

Der Beklag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung bean­tragt und zur Begrün­dung der Kün­di­gung vor­ge­tra­gen, seit Okto­ber 1994/Januar 1995 habe sich die Stel­len­si­tua­ti­on am Insti­tut für Poli­tik­wis­sen­schaft nicht geän­dert. Seit die­sem Zeit­punkt gebe es kei­ne Haus­halts­stel­le mehr, auf der der Klä­ger wei­ter­be­schäf­tigt wer­den könn­te. Am 17. bzw. 21. Novem­ber 2000 habe das Rek­to­rats­kol­le­gi­um daher fest­ge­stellt, dass der Klä­ger nicht beschäf­tigt wer­den kön­ne. Eine Mög­lich­keit, den Klä­ger aus dem Stel­len­pool der Uni­ver­si­tät Leip­zig zu beschäf­ti­gen, habe zu kei­nem Zeit­punkt bestan­den. Die öffent­li­che Ver­wal­tung sei nicht ver­pflich­tet, alle im Haus­halt aus­ge­wie­se­nen Stel­len aus­zu­schöp­fen und zu beset­zen. Eine Stel­le kön­ne daher erst dann als frei ange­se­hen wer­den, wenn sie vom Rek­to­rats­kol­le­gi­um frei­ge­ge­ben und von den zustän­di­gen Gre­mi­en mit einem Anfor­de­rungs­pro­fil ver­se­hen wor­den sei. Dies habe das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt in dem Vor­pro­zess über­se­hen. Der Klä­ger sei mit Herrn Dr. K nicht ver­gleich­bar. Jeden­falls sei er nicht sozi­al schutz­wür­di­ger. Der Beklag­te meint, er sei mit den gel­tend gemach­ten Kün­di­gungs­grün­den nicht prä­k­lu­diert. Ob ein ande­rer frei­er Arbeits­platz zur Ver­fü­gung ste­he, kön­ne immer nur bezo­gen auf den Zeit­punkt des Zugangs der jewei­li­gen Kün­di­gung ent­schie­den wer­den.

Der Klä­ger hat gemeint, das Urteil des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Juli 1999 sei prä­ju­di­zi­ell für den vor­lie­gen­den Rechts­streit. Der Beklag­te stüt­ze die Kün­di­gung – sowohl was die Betriebs­be­dingt­heit als auch was die Sozi­al­aus­wahl betref­fe – auf die glei­chen Grün­de wie in dem Vor­pro­zess. Nur wenn der Beklag­te bezo­gen auf die im Vor­pro­zess ent­schei­dend gewe­se­ne Stel­le aus dem Pool eine erneu­te unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung getrof­fen hät­te, wäre eine erneu­te betriebs­be­ding­te Kün­di­gung in Betracht gekom­men. Eine neue unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung habe der Beklag­te jedoch nicht dar­ge­tan. Im Übri­gen lie­ge kein betriebs­be­ding­ter Kün­di­gungs­grund vor. Auch die Sozi­al­aus­wahl sei zu rügen.

Das Arbeits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Beru­fung des Beklag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on begehrt der Beklag­te wei­ter­hin die Abwei­sung der Kla­ge.

Aus den Grün­den

…

B. … I. Die Kla­ge ist begrün­det. Die Kün­di­gung vom 16. Febru­ar 2001 ist sozi­al unge­recht­fer­tigt (§ 1 Abs. 2 KSchG) und damit rechts­un­wirk­sam (§ 1 Abs. 1 KSchG).

1. Der Beklag­te kann sich auf den von ihm vor­ge­tra­ge­nen Kün­di­gungs­grund, dass es seit dem 1. Janu­ar 1995 kei­ne Haus­halts­stel­le mehr für den Klä­ger gibt, auf der er hät­te wei­ter­be­schäf­tigt wer­den kön­nen, nicht beru­fen. Das Urteil des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Juli 1999 (- 9 Sa 1005/98 -) schließt die­sen Ein­wand aus, weil sei­ner Ent­schei­dung die Erwä­gung zugrun­de liegt, dass der Klä­ger jeden­falls noch Anfang 1998 auf einem frei­en Arbeits­platz beim Beklag­ten aus dem Stel­len­pool der Uni­ver­si­tät Leip­zig hät­te ein­ge­setzt wer­den kön­nen.

a) Ist in einem Kün­di­gungs­rechts­streit ent­schie­den, dass das Arbeits­ver­hält­nis durch eine bestimm­te Kün­di­gung nicht auf­ge­löst wor­den ist, so kann der Arbeit­ge­ber eine erneu­te Kün­di­gung nicht auf Kün­di­gungs­grün­de stüt­zen, die er schon zur Begrün­dung der ers­ten Kün­di­gung vor­ge­bracht hat und die in dem ers­ten Kün­di­gungs­schutz­pro­zess mate­ri­ell geprüft wor­den sind mit dem Ergeb­nis, dass sie die Kün­di­gung nicht recht­fer­ti­gen kön­nen. Der zwei­ten, recht­zei­tig erho­be­nen Kla­ge ist ohne wei­te­res statt­zu­ge­ben. Das Urteil in dem ers­ten Pro­zess ist in der Wei­se prä­ju­di­zi­ell für das zwei­te Ver­fah­ren, dass eine erneu­te mate­ri­el­le – mög­li­cher­wei­se von dem Ergeb­nis des ers­ten Pro­zes­ses abwei­chen­de – Nach­prü­fung des zur Stüt­zung der ers­ten Kün­di­gung ver­brauch­ten Kün­di­gungs­grun­des in dem zwei­ten Ver­fah­ren nicht erfol­gen darf (BAG 26. August 1993 – 2 AZR 159/93 – BAGE 74, 143; 7. März 1996 – 2 AZR 180/95 – AP KSchG § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 76 = EzA KSchG 1969 § 1 betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 84; KR-Fried­rich 6. Aufl. § 4 KSchG Rn. 272; v. Hoy­nin­gen-Hue­n­e/­Linck KSchG 13. Aufl. § 4 Rn. 91; Stahlhacke/Vossen Kün­di­gung und Kün­di­gungs­schutz im Arbeits­ver­hält­nis 8. Aufl. Rn. 1903).

Wie der Senat in der Ent­schei­dung vom 26. August 1993 (- 2 AZR 159/93 – BAGE 74, 143) aus­ge­führt hat, lässt sich das im Ergeb­nis ein­hel­lig aner­kann­te Wie­der­ho­lungs­ver­bot für Kün­di­gun­gen bei gleich­blei­ben­dem Kün­di­gungs­grund sowohl pro­zess­recht­lich als auch aus der Rechts­na­tur der Kün­di­gung als Gestal­tungs­er­klä­rung her­lei­ten. Das Gestal­tungs­recht ist nach ein­ma­li­ger Aus­übung ver­braucht. Der Arbeit­ge­ber kann allen­falls noch kün­di­gen, wenn er ande­re Kün­di­gungs­grün­de gel­tend macht (und dabei viel­leicht den ver­brauch­ten Kün­di­gungs­grund unter­stüt­zend her­an­zieht), wenn sich der Sach­ver­halt wesent­lich geän­dert hat und damit ein neu­er Kün­di­gungs­tat­be­stand vor­liegt, wenn er nun­mehr nicht frist­los, son­dern frist­ge­recht kün­di­gen will oder wenn die Kün­di­gungs­er­klä­rung aus nicht mate­ri­ell-recht­li­chen Grün­den (Form­man­gel, feh­ler­haf­te Betriebs­rats­an­hö­rung etc.) unwirk­sam war. Jeden­falls mit der blo­ßen Wie­der­ho­lung der Kün­di­gung auf Grund des­sel­ben Kün­di­gungs­sach­ver­halts ist er aus­ge­schlos­sen.

b) Nach die­sen Grund­sät­zen ist es dem Beklag­ten ver­wehrt, sich – wie gesche­hen – im vor­lie­gen­den Rechts­streit zur Begrün­dung der Kün­di­gung dar­auf zu beru­fen, dass bereits im Zeit­punkt des Zugangs der Kün­di­gung vom 12. August 1997 kei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit für den Klä­ger an der Uni­ver­si­tät Leip­zig bestan­den habe. Er kann auch nicht mit sei­nem Vor­trag durch­drin­gen, an der Uni­ver­si­tät Leip­zig habe es schon zum dama­li­gen Zeit­punkt kei­nen Stel­len­pool gege­ben, aus des­sen Stel­len der Klä­ger hät­te wei­ter­be­schäf­tigt wer­den kön­nen. Denn das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kün­di­gung vom 12. August 1997 (Urteil vom 27. Juli 1999 – 9 Sa 1005/98 -) gera­de des­we­gen nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG als unwirk­sam ange­se­hen, weil der Beklag­te nicht dar­ge­legt habe, dass für den Klä­ger zum Zeit­punkt der Kün­di­gung kei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit an der Uni­ver­si­tät Leip­zig bestan­den habe. Der Beklag­te habe nicht dar­ge­tan, dass zum Zeit­punkt der Kün­di­gung nicht die Mög­lich­keit bestan­den habe, den Klä­ger aus dem Stel­len­pool der Uni­ver­si­tät Leip­zig wei­ter­zu­be­schäf­ti­gen.

2. Ist somit davon aus­zu­ge­hen, dass noch im Janu­ar 1998 die Mög­lich­keit zur Beschäf­ti­gung des Klä­gers bestan­den hat, bedürf­te es zur Begrün­dung eines drin­gen­den betrieb­li­chen Erfor­der­nis­ses (§ 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG) für die Kün­di­gung der Dar­le­gung des Beklag­ten, dass er nach Zugang der Kün­di­gung vom 12. August 1997 und vor Aus­spruch der hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Kün­di­gung vom 16. Febru­ar 2001 eine Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung getrof­fen hat, deren Umset­zung zum Weg­fall die­ser Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keit geführt hat. Eine der­ar­ti­ge Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung hat der Beklag­te nicht dar­ge­legt. Sei­nen Aus­füh­run­gen ist ins­be­son­de­re nicht zu ent­neh­men, dass der Klä­ger ent­ge­gen der im vor­aus­ge­gan­ge­nen Rechts­streit fest­ge­stell­ten Mög­lich­keit nicht mehr auf einer Stel­le aus dem Stel­len­pool beschäf­tigt wer­den kann.

Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat, hat der Beklag­te kei­ne orga­ni­sa­to­ri­sche Ent­schei­dung dar­ge­legt, die zu einem Weg­fall des Stel­len­pools ins­ge­samt oder der vom Klä­ger ein­ge­nom­me­nen Pool­stel­le und damit zum Weg­fall einer Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keit für den Klä­ger geführt hät­te. Als eine der­ar­ti­ge Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung kann nicht der Beschluss des Rek­to­rats­kol­le­gi­ums vom 17. Novem­ber 2000 ange­se­hen wer­den. Denn in die­sem wird ledig­lich an die vom Beklag­ten schon im Vor­pro­zess ver­tre­te­ne Auf­fas­sung ange­knüpft, dass seit Janu­ar 1995 kei­ne Haus­halts­mit­tel mehr zur Beschäf­ti­gung des Klä­gers zur Ver­fü­gung stün­den. Ent­spre­chen­des hat der Beklag­te in dem hie­si­gen Pro­zess vor­ge­tra­gen. Die­se Begrün­dung zur Recht­fer­ti­gung der Kün­di­gung ist ihm jedoch durch den Vor­pro­zess ver­wehrt.

3. Die Sozi­al­wid­rig­keit der Kün­di­gung folgt auch aus § 1 Abs. 3 Satz 1 KSchG. Auf Grund der rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung im Vor­pro­zess steht fest, dass – gin­ge man von einem Weg­fall der Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keit für den Klä­ger aus – die Beklag­te gleich­wohl nicht dem Klä­ger, son­dern dem mit dem Klä­ger ver­gleich­ba­ren Mit­ar­bei­ter K hät­te kün­di­gen müs­sen. Dass sich an den der Ent­schei­dung vom 27. Juli 1999 zugrun­de geleg­ten Tat­sa­chen zwi­schen­zeit­lich etwas geän­dert hät­te, hat der beklag­te Frei­staat nicht behaup­tet. Mit damals unter­blie­be­nem Pro­zess­vor­trag zur Sozi­al­aus­wahl ist der Beklag­te dage­gen aus­ge­schlos­sen, weil die Prä­k­lu­si­ons­wir­kung ansons­ten die Sozi­al­aus­wahl – über die das Lan­des­ar­beits­ge­richt rechts­kräf­tig in der Sache ent­schie­den hat – nicht erfas­sen wür­de.

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